Rocker News
Donnerstag, 17. März 2011
Rocker News: "Wir sind im Krieg"
Rocker News: "Wir sind im Krieg": "Todesschüsse auf offener Straße, Schlägereien, Handgranatenattacken - die Gewaltexzesse von Hells Angels und Bandidos fordern den Rechtsstaa..."
"Wir sind im Krieg"
Duisburg - Die Bandidos müssen scherzen, lachen, trinken, obwohl sie derzeit wirklich keine gute Laune haben können: Einer ihrer "Brüder" ist auf offener Straße erschossen worden, ein Hells Angel soll der Mörder sein. Wochen später versuchten die als "Angler" verhöhnten Rivalen auch noch, das Duisburger Clubhaus der Bandidos zu stürmen. Und zuletzt rückte die Polizei den Rockern mit Razzien und Personenkontrollen auf die Pelle. "Wir sind echt genervt", sagt ein "Bandit" SPIEGEL ONLINE.
Dennoch: Der Partytermin am Samstagabend steht seit langer Zeit fest. Und eine Absage des Festes im nordrhein-westfälischen Schwerte zum angeblich zehnjährigen Bestehen ihrer Deutschland-Abteilung käme in der Bandido-Logik einem Gesichtsverlust gleich. Deshalb werden die Rocker feiern, was das Zeug hält, und sich vor dem Großaufgebot der Polizei, der Presse und ihren zahlreichen Bewunderern gelassen geben. Doch es gärt in ihnen.
"Die Szene ist nervös", sagt einer aus dem Umfeld der "Banditen", der anonym bleiben will. "Das ist längst kein Spiel mehr, wir sind im Krieg." Er selbst fahre inzwischen die Straße, in der er wohne, mehrfach ab, ehe er aus seinem Wagen steige. "Ich habe keine Lust, einem Rollkommando der anderen in die Hände zu fallen." Er sei vorbereitet für kommende Auseinandersetzungen, doch einige seiner "Brüder" versuchten bereits, den Club zu verlassen. "Vor allem die mit Familien."
Vielleicht erzählt man sich deshalb in seinen Kreisen gerade eine ganz eigene Version vom Tod des Bandidos Rudi Heinz Eschli E., 32, der Anfang Oktober in Duisburg erschossen wurde, laut Ermittlern im Streit um eine Frau.
Bei den Bandidos kursiert jedoch das Gerücht, Eschli habe während des Münsteraner Rockerprozesses 2007 einen führenden deutschen "Höllengel" mit einer abfälligen Geste beleidigt. Sein gewaltsamer Tod sei letztlich die Quittung für diese Unverschämtheit gewesen.
Es ist eine überaus gewagte These, für die es keinerlei Bestätigung gibt und die von erfahrenen Ermittlern sogar bestritten wird, die aber trotzdem womöglich die rasende Wut der Bandidos zu erklären vermag. Denn die Rocker, die nicht nur in Nordrhein-Westfalen ihr Personal zuletzt deutlich aufgestockt haben, glauben fest daran, von den Hells Angels zunehmend unter Druck gesetzt zu werden. Eine tödliche Abreibung für ihren forschen Freund Eschli passt da genau ins Bild.
Vielleicht geht es also darum, die Bandido-Reihen mit dieser düsteren Theorie zu schließen und das Feindbild zu stärken? Oder aber die Gesetzlosen kennen ihre Welt einfach erheblich besser, als die Gesetzesvertreter es tun.
Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus
Die Staatsanwaltschaft Duisburg, die den Tod des Bandidos aufklären muss, vermutet hingegen weiterhin eine Beziehungstat. Demnach war der mutmaßliche Todesschütze Timur A., 32, mit Eschlis Partnerin liiert, bis die junge Frau ihn für den Rockerrivalen verließ. Die Bandidos bezweifeln das. "Der hatte schon seit Jahren keine Freundin mehr", behauptet einer.
Die 24-jährige L., die sich inzwischen in einem Zeugenschutzprogramm befindet, hatte sich nach Angaben der Ermittlungsbehörde vor den tödlichen Schüssen in der Nähe des Tatorts mit ihrem Ex-Freund Timur A. verabredet, um ihm seinen Wohnungsschlüssel zurückzugeben.
Suchte er anschließend die direkte Konfrontation mit seinem Widersacher?
Selbst die, die um Eschli trauern, beschreiben den zur Schalker "Gelsen-Szene" zählenden Hooligan, der von der Polizei als "Gewalttäter Sport" geführt wurde, als unüberlegt handelnden "Hitzkopf". Sie wollen nicht ausschließen, dass er den wahrscheinlich bewaffneten Hells Angel Timur A., der sich bereits kurz nach der Tat gestellt hatte, noch provoziert haben könnte: "Eschli kannte einfach keine Angst."
E. und sein mutmaßlicher Mörder - ein sportlich nicht besonders erfolgreicher Free-Fighter, der auch im Duisburger Milieu gearbeitet haben soll - bekriegten sich im Internet schon vor ihrer letzten, verhängnisvollen Begegnung. Die Einträge sind jedoch inzwischen gelöscht. "Es ging dabei nicht bloß um eine Frau", will ein Bandido-Sympathisant wissen.
Streitigkeiten um Reviere
Auch das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) vermutet hinter den meisten Auseinandersetzungen von Hells Angels und Bandidos Streitigkeiten um Gebietsansprüche. Es gehe darum, "wer das Sagen hat in einem bestimmten Bereich", so der Abteilungsleiter für Organisierte Kriminalität, Thomas Jungbluth, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.
Die streng hierarchisch organisierten Rockerclubs versuchten, mit großer Brutalität ihre Reviere im Rotlicht und in der Türsteherszene abzustecken, sagt der Leitende Kriminaldirektor. Die Hells Angels hingegen teilten dazu schriftlich mit, "sämtliche Mutmaßungen (…), dass die Konflikte (…) auf Konkurrenzkämpfen z. B. im Drogenmilieu gründen", entbehrten jeglicher Grundlage.
"Der Angriff der Hells Angels verlief geplant"
Doch die "Höllenengel" bemühen sich nicht nur um eine zunehmend professionelle Pressearbeit, sie machten auch bei der Massenkeilerei am Abend des 31. Oktober im Duisburger Rotlichtviertel eine gute Figur, wie die zunächst deutlich überforderten Streifenpolizisten staunend beobachteten. "Der Angriff der Hells Angels verlief geplant und geordnet. Er war genau vorbereitet", heißt es in einem Protokoll, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.
Bei der Anfahrt von der L 60 (…) verließen sie gleichzeitig die Fahrzeuge und griffen gezielt nach fernmündlicher Koordination des Anführers das 'Fat Mexican' an", notierte ein Polizeihauptkommissar noch in der Nacht. "Es handelte sich eindeutig nicht um eine spontane Aktion." Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ritt die Abteilung Attacke von einer Hells-Angels-Feier aus Köln ein, der Sturmtruppe sollen aber auch "Höllengel" aus Niedersachsen und Brandenburg angehört haben.
Vor einem solchen Auftritt graut der Polizei nun auch an diesem Samstagabend, weshalb sie in Schwerte aufbieten will, was die chronisch dünne Personaldecke noch hergibt. "Wir werden uns sehr intensiv um die Veranstaltung kümmern", kündigt LKA-Ermittler Jungbluth an.
Ein Dortmunder Kriminalhauptkommissar, in dessen Zuständigkeit das inzwischen verlagerte Rockertreffen zunächst gefallen war, sagte SPIEGEL ONLINE: "Wir sind wirklich sehr froh, dass die Bandidos nicht bei uns in der Stadt feiern werden."
Dennoch: Der Partytermin am Samstagabend steht seit langer Zeit fest. Und eine Absage des Festes im nordrhein-westfälischen Schwerte zum angeblich zehnjährigen Bestehen ihrer Deutschland-Abteilung käme in der Bandido-Logik einem Gesichtsverlust gleich. Deshalb werden die Rocker feiern, was das Zeug hält, und sich vor dem Großaufgebot der Polizei, der Presse und ihren zahlreichen Bewunderern gelassen geben. Doch es gärt in ihnen.
"Die Szene ist nervös", sagt einer aus dem Umfeld der "Banditen", der anonym bleiben will. "Das ist längst kein Spiel mehr, wir sind im Krieg." Er selbst fahre inzwischen die Straße, in der er wohne, mehrfach ab, ehe er aus seinem Wagen steige. "Ich habe keine Lust, einem Rollkommando der anderen in die Hände zu fallen." Er sei vorbereitet für kommende Auseinandersetzungen, doch einige seiner "Brüder" versuchten bereits, den Club zu verlassen. "Vor allem die mit Familien."
Vielleicht erzählt man sich deshalb in seinen Kreisen gerade eine ganz eigene Version vom Tod des Bandidos Rudi Heinz Eschli E., 32, der Anfang Oktober in Duisburg erschossen wurde, laut Ermittlern im Streit um eine Frau.
Bei den Bandidos kursiert jedoch das Gerücht, Eschli habe während des Münsteraner Rockerprozesses 2007 einen führenden deutschen "Höllengel" mit einer abfälligen Geste beleidigt. Sein gewaltsamer Tod sei letztlich die Quittung für diese Unverschämtheit gewesen.
Es ist eine überaus gewagte These, für die es keinerlei Bestätigung gibt und die von erfahrenen Ermittlern sogar bestritten wird, die aber trotzdem womöglich die rasende Wut der Bandidos zu erklären vermag. Denn die Rocker, die nicht nur in Nordrhein-Westfalen ihr Personal zuletzt deutlich aufgestockt haben, glauben fest daran, von den Hells Angels zunehmend unter Druck gesetzt zu werden. Eine tödliche Abreibung für ihren forschen Freund Eschli passt da genau ins Bild.
Vielleicht geht es also darum, die Bandido-Reihen mit dieser düsteren Theorie zu schließen und das Feindbild zu stärken? Oder aber die Gesetzlosen kennen ihre Welt einfach erheblich besser, als die Gesetzesvertreter es tun.
Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus
Die Staatsanwaltschaft Duisburg, die den Tod des Bandidos aufklären muss, vermutet hingegen weiterhin eine Beziehungstat. Demnach war der mutmaßliche Todesschütze Timur A., 32, mit Eschlis Partnerin liiert, bis die junge Frau ihn für den Rockerrivalen verließ. Die Bandidos bezweifeln das. "Der hatte schon seit Jahren keine Freundin mehr", behauptet einer.
Die 24-jährige L., die sich inzwischen in einem Zeugenschutzprogramm befindet, hatte sich nach Angaben der Ermittlungsbehörde vor den tödlichen Schüssen in der Nähe des Tatorts mit ihrem Ex-Freund Timur A. verabredet, um ihm seinen Wohnungsschlüssel zurückzugeben.
Suchte er anschließend die direkte Konfrontation mit seinem Widersacher?
Selbst die, die um Eschli trauern, beschreiben den zur Schalker "Gelsen-Szene" zählenden Hooligan, der von der Polizei als "Gewalttäter Sport" geführt wurde, als unüberlegt handelnden "Hitzkopf". Sie wollen nicht ausschließen, dass er den wahrscheinlich bewaffneten Hells Angel Timur A., der sich bereits kurz nach der Tat gestellt hatte, noch provoziert haben könnte: "Eschli kannte einfach keine Angst."
E. und sein mutmaßlicher Mörder - ein sportlich nicht besonders erfolgreicher Free-Fighter, der auch im Duisburger Milieu gearbeitet haben soll - bekriegten sich im Internet schon vor ihrer letzten, verhängnisvollen Begegnung. Die Einträge sind jedoch inzwischen gelöscht. "Es ging dabei nicht bloß um eine Frau", will ein Bandido-Sympathisant wissen.
Streitigkeiten um Reviere
Auch das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) vermutet hinter den meisten Auseinandersetzungen von Hells Angels und Bandidos Streitigkeiten um Gebietsansprüche. Es gehe darum, "wer das Sagen hat in einem bestimmten Bereich", so der Abteilungsleiter für Organisierte Kriminalität, Thomas Jungbluth, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.
Die streng hierarchisch organisierten Rockerclubs versuchten, mit großer Brutalität ihre Reviere im Rotlicht und in der Türsteherszene abzustecken, sagt der Leitende Kriminaldirektor. Die Hells Angels hingegen teilten dazu schriftlich mit, "sämtliche Mutmaßungen (…), dass die Konflikte (…) auf Konkurrenzkämpfen z. B. im Drogenmilieu gründen", entbehrten jeglicher Grundlage.
"Der Angriff der Hells Angels verlief geplant"
Doch die "Höllenengel" bemühen sich nicht nur um eine zunehmend professionelle Pressearbeit, sie machten auch bei der Massenkeilerei am Abend des 31. Oktober im Duisburger Rotlichtviertel eine gute Figur, wie die zunächst deutlich überforderten Streifenpolizisten staunend beobachteten. "Der Angriff der Hells Angels verlief geplant und geordnet. Er war genau vorbereitet", heißt es in einem Protokoll, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.
Bei der Anfahrt von der L 60 (…) verließen sie gleichzeitig die Fahrzeuge und griffen gezielt nach fernmündlicher Koordination des Anführers das 'Fat Mexican' an", notierte ein Polizeihauptkommissar noch in der Nacht. "Es handelte sich eindeutig nicht um eine spontane Aktion." Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ritt die Abteilung Attacke von einer Hells-Angels-Feier aus Köln ein, der Sturmtruppe sollen aber auch "Höllengel" aus Niedersachsen und Brandenburg angehört haben.
Vor einem solchen Auftritt graut der Polizei nun auch an diesem Samstagabend, weshalb sie in Schwerte aufbieten will, was die chronisch dünne Personaldecke noch hergibt. "Wir werden uns sehr intensiv um die Veranstaltung kümmern", kündigt LKA-Ermittler Jungbluth an.
Ein Dortmunder Kriminalhauptkommissar, in dessen Zuständigkeit das inzwischen verlagerte Rockertreffen zunächst gefallen war, sagte SPIEGEL ONLINE: "Wir sind wirklich sehr froh, dass die Bandidos nicht bei uns in der Stadt feiern werden."
Rocker News: Polizei beschert Hells Angels heißen Winter
Rocker News: Polizei beschert Hells Angels heißen Winter: "Eine Großrazzia jagt die nächste: Tausende Polizisten sind zuletzt in Süddeutschland gegen die Rockerbande Hells Angels vorgegangen. Sie bes..."
Polizei beschert Hells Angels heißen Winter
Hamburg - Der öffentlich geschlossene Frieden der Rockerfürsten Hanebuth und Maczollek im Mai war ein Signal, auf das viele gewartet hatten: Die Polizei, die nicht länger vor den Vereinsheimen der Banden Wache schieben mochte. Die braven Bürger, die der vielen Schießereien und Messerstechereien überdrüssig waren. Und natürlich die Hells Angels und Bandidos selbst, die endlich wieder in Ruhe ihren Geschäften nachgehen wollten. Ohne Schlagzeilen, Razzien, Überfallkommandos.
Für einige Monate blieb es ruhig.
Doch die Idylle der Zeit vor dem Mord an dem Ibbenbürener Hells Angel Robert K. im Mai 2007, als sich weder in der Öffentlichkeit noch in der Politik irgendjemand für die Umtriebe der Gangs zu interessieren schien, lässt sich wohl nicht wieder herstellen. Inzwischen beraten die Innenminister der Länder regelmäßig über ein entschiedenes Vorgehen gegen die Rocker - und entsprechend hart greift nun auch die Kriminalpolizei durch.
Spezialeinheiten und die GSG 9
Wie Mitte November in Frankfurt. 2000 Beamte, darunter sämtliche Spezialeinsatzkommandos der Länder sowie die GSG 9, stürmten 50 Wohnungen, Häuser und Bordelle der Hells Angels. Sie stellten unter anderem 17 Pistolen und Gewehre, über 500 Schuss Munition sowie mehr als hundert Messer, Äxte, Keulen und Macheten sicher. Der Anführer der Mannheimer Höllenengel sowie einer seiner Gefolgsleute wurden verhaftet. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt wirft den beiden schweren Raub und gefährliche Körperverletzung vor.
Dabei erscheint die Straftat, um die es hier geht, im Rockerkosmos eher alltäglich: Die Angels sollen im Juni ein Grillfest des Altherren-Motorradclubs Black Souls im hessischen Roßdorf überfallen und bei einer Schlägerei acht Männer verletzt haben. Höllenengel-Sprecher Rudolf "Django" T. vermutet daher, die Großrazzia gegen seine Kumpanen habe "politische Hintergründe". Vermutlich sammelten die Behörden Informationen für ein Vereinsverbot, spekuliert er.
Ob sie fündig werden?Erneute Razzia
Am vergangenen Freitag liefen erneut 1100 Polizisten im Rhein-Main-Gebiet auf und durchsuchten 27 Gebäude der Hells Angels. Zwei Mitgliedern des Frankfurter Charters wirft die Staatsanwaltschaft Darmstadt Drogenhandel im großen Stil vor. Es geht um Amphetamine und kiloweise Marihuana. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt in Rockerkreisen, nachdem einem Angel im Oktober 2009 in den Arm geschossen worden war. Die Beamten gehen von einer clubinternen Bestrafungsaktion aus.
Der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) bekannte nach der Großrazzia, es gehe weniger um die Sicherstellung von Waffen und Drogen - es wurde außer einer Gaspistole nämlich kaum etwas gefunden - als vielmehr darum, die Strukturen der Hells Angels aufzuklären. Die bundesweite Strategie des Vereins sei "das Einsickern in die öffentliche Verwaltung, in Polizei und Justiz". Das habe "glasklar mit organisierter Kriminalität zu tun", so Rhein.
Erstaunlich fand der Innenminister nach eigenem Bekunden vor allem, dass Polizisten von Rockern bestochen worden sein sollen. So wird ein Erster Kriminalhauptkommissar des Landeskriminalamts, 50, verdächtigt, für 10.000 Euro dienstliche Informationen an die Angels weitergegeben zu haben. Vier weitere Polizisten, darunter eine Kriminaloberkommissarin aus dem Frankfurter Präsidium, sollen nicht nur die Rocker unterrichtet, sondern auch mit Drogen gehandelt haben.Die Beamtin hat inzwischen eingeräumt, Betäubungsmittel verkauft zu haben, wie die Staatsanwaltschaft Darmstadt auf Anfrage mitteilte. Jedoch werde man ihr den Verrat von Dienstgeheimnissen wohl nicht nachweisen können. Es hieß, die 34-Jährige sei mit einem Mitglied der Frankfurter Hells Angels bekannt. Laut "Bild"-Zeitung soll die Kommissarin ein Verhältnis mit dem Rocker gehabt und sich sogar für ihn prostituiert haben. Die Staatsanwaltschaft konnte das nicht bestätigen, wollte es jedoch auch nicht ausschließen.
Durchsuchungen in Baden-Württemberg
Auch in Baden-Württemberg ist die Polizei am Montag mit einem noch nicht dagewesenen Großaufgebot gegen die Hells Angels vorgegangen. Im Morgengrauen durchsuchten mehr als 900 Beamte insgesamt 28 Wohnungen und Gebäude der Rocker. Die Ermittler stellten neun Schusswaffen sowie Macheten, Molotow-Cocktails und ein Samuraischwert sicher, außerdem Munition, Handys und Computer.
Auslöser der Aktion ist eine brutale Auseinandersetzung zwischen Hells Angels und der Türstehervereinigung United Tribuns Ende November in Pforzheim. Dabei waren zwei Tribuns durch Machetenhiebe auf den Kopf und ein Hells Angel durch einen Messerstich in die Nierengegend verletzt worden.Laut Staatsanwaltschaft soll der Pforzheimer Hells-Angels-Vizepräsident Danny K., 35, seinerzeit mit einem scharfen Revolver Kaliber .38 Special auf die Widersacher geschossen haben. Sein Bruder Marcus, 25, ebenfalls Angel, feuerte wohl mit einer Schreckschusswaffe. Beiden wird nun versuchter Mord vorgeworfen.
Über die Hintergründe des Konflikts sind die Ermittler sich noch nicht im Klaren. Alle Beteiligten schweigen. Es könnte um die Vorherrschaft an den Discotüren der Region gehen oder auch um "persönliche Animositäten", wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Danny K. soll selbst früher den Tribuns angehört haben. Gegen die Gebrüder K. sowie ein 22 Jahre altes Mitglied des Unterstützerclubs Kommando 81 wurden Haftbefehle erlassen.R. geriet in die Schlagzeilen, als er zusammen mit drei Komplizen bei der Fußball-WM 1998 den französischen Gendarmen Daniel Nivel fast zu Tode prügelte. Dafür wurde er zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Danach brachte es R. zum Vizepräsidenten der Hells Angels in Potsdam, im März dieses Jahres gründete er die Filiale auf Mallorca samt Clubheim in El Arenal.
Prompt bekamen die Angels Ärger mit der deutschen Rocker-Gang Gremium, die im Norden der Insel residiert. Vor dem Richter bestritt R., dass die Waffen ihm gehörten. Er habe den Wagen nur geliehen und nichts davon gewusst. Die Polizei indes vermutet, R. sei unlängst verprügelt worden und nun auf dem Weg gewesen, Rache zu nehmen.
"Das Kapitel ist juristisch aufgearbeitet und für mich endgültig abgeschlossen", hatte R. im November 2009 SPIEGEL ONLINE gesagt und damit die Attacke auf den Polizisten Nivel gemeint. Es scheint allerdings nicht so, als sei er in der Zwischenzeit ein friedliebender Zeitgenosse geworden.
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